Seegebiete und Häfen in Tidengewässern

Wenden wir uns doch mal der Nordsee zu, noch besser dem Ärmelkanal. Hier kann der Wasserhöhenunterschied bis zu 12 m betragen, wenn wir an Brest oder Bristol denken. Eventuell sogar plus Luftdruck- und Windeinfluss !

 

In Calais schwankt der Wasserstand zwar nicht so extrem, doch die Auswirkungen im alten Hafenbecken reichen von ausreichender Wasser- tiefe für eine Kielyacht mit einem Tiefgang von gut 2 m bis zum Austrocknen ( Trockenfallen ).

Bei Niedrigwasser könnte man trockenen Fußes durch die Hafeneinfahrt spazieren

 

 

Ein ähnliches Bild sehen wir auch in Antwerpen, dass etliche Kilometer landeinwärts liegt.

 

Zwar fallen auch andere Häfen, wie Folkstone usw. trocken, aber nicht alle. Ramsgate, ein Fährhafen im Südosten Englands hat auch entsprechende Wasserhöhenunterschiede, aber aufgrund der Wassertiefe im Hafen und durch regelmäßiges ausbaggern fällt dieser Hafen nicht trocken.

Würde man ihn nicht regelmäßig ausbaggern, dann würde er mit der Zeit versanden.

Um die hohen Wasserstandsunterschiede auszugleichen und damit auch keine Yacht durch fehlende Aufmerksamkeit buchstäblich an der Kaimauer "hängt", haben viele Häfen Schwimm- stege, die mit dem Wasserstand "auf und ab gehen".

Das lästige nachführen der Leinen entfällt dadurch und damit die Yachten auch nicht Trockenfallen können, haben solche Häfen entweder Schleusen, wie Eastborne oder einzelne Schleusentore, wie Calais oder Antwerpen. Nur, wenn der Wasserstand ausreichend ist, werden diese Tore zu be- stimmten Zeiten geöffnet. In Antwerpen wird das Hafentor z.B.rund zwei Stunden vor Hochwasser für ca. 45 Minuten geöffnet.

Danach bleibt es geschlossen bis ca. eine Stunde nach Hochwasser, um dann erneut für ca. 45 Minuten geöffnet zu werden. Nach Ablauf der zweiten Ausfahrtzeit bleibt das Hafentor bis zum nächsten Hochwasser weiterhin geschlossen. Die Torschließung, eine Stunden vor bis eine Stunde nach Hochwasser ist erforderlich, damit das Wasser im Hafen während dieser Zeit nicht über die Ufer tritt.




Für Yachten, die außerhalb dieser Öffnungszeiten den Hafen erreichen gibt es in Antwerpen eine gelbe Tonne zum vorübergehenden Festmachen, bis das das Hafentor wieder geöffnet wird.

In Calais, dem wichtigsten Übergangshafen nach England, reicht eine Festmachertonne nicht aus. Aufgrund des hohen Yachtauf- kommens wurde dort ein Mooringfeld eingerichtet.

 

Eventuelle Probleme durch das Trockenfallen

Für einen Twinkieler ( Doppelkieler ) oder ein Plattbodenschiff ( Flachkieler ) ist das Trockenfallen kein Problem. Außer, dass die Yacht samt Crew zeitweilig festsitzt. Größere Probleme bereitet es Yachten mit einem Kiel. Wenn sich die Yacht bei ablaufendem Wasser nicht an eine Kaimauer lehnen kann, dann legt sich die Yacht auf die Seite. Mit eintreten der Flut, also auflaufendes Wasser, besteht die Gefahr, dass die Yacht eher mit Wasser voll läuft, als dass sie sich aufrichten kann.

An der englische Küste kann man deshalb auch häufig Yachten mit einem Kiel sehen, die zum Trockenfallen sogenannte Wattstützen ausbringen.

es geht weiter  Heinz Rose

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